Die Neuen auf dem Feld

Beim Jubiläums-Öko-Feldtag standen neue Sorten von Nackthafer, Weizen, Triticale und Co. im Mittelpunkt

Kirchdorf/Lkr. Mühldorf am Inn – Neuheiten im Getreidebau in der Praxis begutachten: Das konnten die Besucher des Öko-Feldtages auf dem Betrieb von Josef Heindl in Kirchdorf bei Haag. Drei Nackthafersorten, die neue Hafersorte Lion, die zwei neuen Weizensorte Aristaro und Revolver, zwei Dinkelsorten sowie drei Triticale-Sorten standen auf den Äckern zur Besichtigung. Nicht ganz selbstverständlich, da bereits wenige Kilometer entfernt die Unwetter der vergangenen Tage für teils drastische Verwüstungen auf den Feldern gesorgt hatten. Zum 20. Jubiläums-Öko-Feldtag hatten Veranstalter und Gäste insofern Glück: Es regnete bei den Feldbegehungen teils lediglich.

Zu drei Terminen über den Tag verteilt und jeweils in zwei bis drei Gruppen fanden die Führungen statt. Damit wollte man die Gästeschar etwas entzerren, um die Veranstaltung corona-konform abhalten zu können. Immerhin rund 200 interessierte Landwirtinnen und Landwirte schauten beim Öko-Feldtag vorbei. Er wurde von der RWG Erdinger Land zusammen mit dem Naturland-Verband organisiert. Auch einige Öko-Partner waren mit Info-Ständen vor Ort.

„Der Nackthafer erlebt gerade eine Renaissance“, erklärte Landwirt Heindl, der auch Spartenleiter Öko-Landbau der RWG in St. Wolfgang ist. Spelzenfreier Hafer sei insbesondere im Speisebereich im Kommen. Die neuen Triticale-Sorten würden den veränderten Umwelteinflüssen besser gerecht. Der Weizen Aristaro vom Dottenfelder Hof sei eine sehr gesunde Sorte. Daher habe man diese Kulturen ausgewählt, um die Neuerungen in Sachen Getreidebau zu präsentieren.

Los ging die Führung mit den Triticale-Sorten. Ewald Pieringer, seit 30 Jahren Naturland-Berater, stellte sie vor: Die „relativ winterharte“ Sorte „Claudius im „gefälligen Ährentyp“, den trockenheitsfesten und blattgesunden „Trialog“ und „Tricanto“ mit einer guten Unkrautunterdrückung. Gleich nebenan machte die Gruppe beim Dinkel Zollernspelz Halt. Pieringer erklärte, dass es beim Dinkel lange einen Auf- und Ab-Zyklus zwischen Preis und Anbaumenge gegeben habe. Das sei seit rund fünf Jahren nicht mehr der Fall. „Seitdem ist das Dinkel-Loch nicht mehr voll geworden“, so der Berater. Aufgrund der Zunahme von Allergien und der Nachfrage nach glutenfreien Lebensmitteln sei die Nachfrage seitdem hoch. Der Zollernspelz habe, im Gegensatz zu anderen modernen Sorten, auch keine nachweisbare Weizengenetik. Mit einem hohen Ertrag und einer guten Blattgesundheit ist es für Naturland-Berater Pieringer eine „Standardsorte“, die man mit gutem Gewissen empfehlen könne. Albertino als weitere Dinkelsorte präsentiert sich auch sehr ertragsstark, aber ist an der Grenze der Standfestigkeit.

Johannes Wilke von Semo-Bio stellte den Winterweizen „Revolver“ und die reine Öko-Züchtung „Aristaro“ vom Dottenfelder Hof vor. Dieser sei das Gegenstück zum ertragreichen Futterweizen „Revolver“. Eine „E“-Sorte mit guten Backeigenschaften, hohem Proteingehalt und hoher Fallzahl. „Aristaro“ ist steinbrandresistent und zeichnet sich laut Berater Wilke durch eine gute Unkrautunterdrückung aus. Die Sorte mit einem durchschnittlichen Ertrag sei gerade bei Risikostandorten optimal.

Lukas Reis von der Naturland-Marktgesellschaft empfing die Landwirte beim Hafer. Die Nackthafersorten „Oliver“, „Patrik“ und „Marco Polo“ unterscheiden sich optisch nicht groß. Der ertragsstarke „Marco Polo“ zeichnet sich durch mittellange Wuchshöhe und mittlere Standfestigkeit aus. „Oliver“ ist etwas kürzer bei einem guten Ertrag. Die mittelspäte Sorte „Patrik“ ist die längste Sorte der Drei mit einem „sehr guten Ertrag“. Sie ist auch für schwächere Standorte geeignet. Reis betonte die Vermarktungsmöglichkeiten von Nackthafer als Speiseware. Zwar seien bei den spelzenfreien Sorten die Erträge vergleichsweise geringer und die Absatzmöglichkeiten beschränkt. Als Nischenkultur seien sie aber eine gute Option.

Abschließend stellte Reis die neue Spelzhafersorte „Lion“ vor, der mit 125 Kilo pro Hektar und fünf Kilo Leindotter als Untersaat auf dem Feld steht. Leindotter gilt als Pflanze mit schneller Bodenabdeckung und eigne sich gut als Gemengepartner im Getreide und bringt mehr Biodiversität in den Anbau. „Lion“ sei ertragsreicher als die Standardsorte „Max“, langstrohig mit einer guten Unkrautunterdrückung.

Nach den Getreidesorten stand Technik auf dem Programm: An der finalen Station stellte Michael Niederreiter von Lemken einen Grubber mit Flachscharen für die flache Bodenbearbeitung vor, Gabriele Gassner-Kolb von Gassner Technik präsentierte einen Schälpflug.

 

Foto:

Corona-konformer Feldtag mit Abstand, zwischen Weizen und Dinkel im Hintergrund

Bildquelle: Ewald Pieringer